XING-Profil und Typologie

XING-Profil ist nicht gleich XING-Profil

Ein Gastbeitrag von Uwe Günter-von Pritzbuer: Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit. Je mehr er davon woanders findet, desto eher sagt er ja, kauft und ist bereit sich zu vernetzen. Das „Woanders“ kann ein Produkt, eine Dienstleistung oder eben auch ein XING-Profil sein. Wer beispielsweise bestimmte sportliche Interessen hat, sucht seinesgleichen. Hier gilt: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Andererseits kennen Sie bestimmt den Grundsatz: Gegensätze ziehen sich an. Was gilt bei XING-Profilen?

Wenn Sie nicht ganz gezielt eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und andere ausklammern wollen, müssen Profile für möglichst viele Identitäten möglicher Kontakte eine Chance zur Identifikation bieten. Jeder pickt sich dann aus dem breiten Informationsangebot sein Nutzenargument heraus. Sie als XING-User können nicht immer wissen, wer wann wo auf welche Weise auf welche Informationen einsteigt. Häufig wird sich ein einzelner Kontakt aus mehreren Informationen sein Bündel an Motiven individuell schnüren. Sie liefern dafür nur Spielmaterial. Das muss aber erstklassig sein! Erstklassig ist es dann, wenn es typologisch aufbereitet ist.

Die Typologie hilft dabei, ein klareres Bild von der Bandbreite menschlichen Verhaltens zu gewinnen. Sie unterteilt Typen in verschiedene Profile und diese zeigen auf, wie wir uns in bestimmten Arbeits-, Kommunikations- und Stresssituationen verhalten, wie wir im Team agieren und welche soziale Rolle wir einnehmen. Sie geben einen Einblick in unsere Wertestruktur, beleuchten unsere ganz persönlichen Antriebssysteme und erklären, warum wir uns in einer ganz bestimmten Art und Weise verhalten. Je mehr Sie über die bevorzugten Verhaltensweisen und somit über die Kommunikationsstile Ihrer Leser und Kontakte wissen, desto besser können Sie sie verstehen, auf sie eingehen und Ihr Profil entsprechend darauf abstimmen. Durch die Typologie werden Menschen für die Andersartigkeit ihres Gegenübers sensibilisiert und können sie oder ihn im Sinne individueller typologischer Verhaltenspräferenzen ansprechen und gezielt mit ihnen kommunizieren.

Gold oder Platin?

Viele wenden bei der Erstellung ihres XING-Profils (bewusst oder unbewusst) die sogenannte goldene Regel an: Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Diese Regel klingt logisch und wird auch oft empfohlen, ist jedoch nicht immer richtig und erfolgsfördernd. Das funktioniert nämlich nur, wenn Sie auf jemanden treffen, der Ihnen ähnlich ist. Wenn Sie aber auf jemanden mit einer anderen Persönlichkeit treffen, dann ist die goldene Regel kontraproduktiv. Wer anders tickt, wird mit einem solchen Profil nicht erreicht und in der Folge verpuffen die Wirkung, die Attraktivität und die Chancen, die Ihnen XING bietet. Deswegen ist es besser, mit der sogenannten Platinregel zu agieren: Behandle andere Menschen so, wie diese behandelt werden möchten!

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Damit Sie die richtige XING-Strategie für die richtigen Typen wählen können, folgt hier ein Überblick über die Schwerpunkte der Verhaltenspräferenzen:

Verhaltenspräferenzen

Die Typologie-Grundtypen nach DISG® oder INSIGHTS MDI® unterscheiden Menschen nach Verhaltenspräferenzen. Jeder Typ verhält sich unterschiedlich und hat eine typische Motivationsstruktur. Dabei ist kein Typ besser oder schlechter: Jeder Typ hat seine Stärken, aber auch (damit verbunden) bestimmte Schwächen:

Der dominante Typ (feuerrot)

Er ist bestimmend und fordernd. Er tritt entschlossen auf, ist sehr willensstark und geht sehr sach- und zielgerichtet sowie sehr ergebnisorientiert vor. Der Dominante ist voller Energie und findet seine Erfüllung in ständiger Aktivität und Handlungsbereitschaft. Er will die Zeit nutzen, um etwas zu erreichen. Er will die entscheidenden Informationen auf einen Blick. Die größte Chance, um von ihm akzeptiert zu werden und mit ihm in Kontakt oder ins Geschäft zu kommen, haben Sie, wenn Sie ihm kurz und knapp die Vorteile einer Vernetzung aufzeigen. Feuerrote messen Ziele und Ergebnisse, also bringen Sie dokumentierte Sachinformationen mit, die positive Ergebnisse und Resultate in den Vordergrund stellen.

Was ihm wichtig ist:

  • Seien Sie klar, konkret und direkt.
  • Er steht auf kurze Schlagworte.
  • Zeigen Sie kurz und knapp auf, was Sie bieten und suchen.
  • Kommen Sie schnell auf den Punkt und beschreiben Sie nicht drum herum.
  • Vergeuden Sie keine Zeit, bleiben Sie beim Geschäftlichen.
  • Auf Persönliches legt er weniger Wert.
  • Wählen Sie ein Foto, auf dem Ihr Gesicht gut zu erkennen ist und das Sie in einer Macherposition zeigt.
  • Stellen Sie unter der Rubrik „Ich suche“ Anknüpfungspunkte für Kooperationen dar. Diese sollen präzise sein und den Nutzen hervorheben.
  • Der Firmenname muss einen Impuls setzen.

Der initiative Typ (sonnengelb)

Ist umgänglich und fröhlich, offen und ideenreich, überzeugend und redegewandt. Er verfügt über eine positive Ausstrahlung und ist bemüht, mit anderen Menschen eine gute Beziehung aufzubauen. Der Gelbe liebt Spaß und Abwechslung und braucht viel Lob und Anerkennung. Kommunikation ist für ihn wie die Luft zum Atmen. Er handelt spontan, trifft Entscheidungen aus dem Bauch und ist der klassische Kontaktsammler.

Was ihm wichtig ist:

  • Er ist engagiert dabei, wirkt manchmal etwas übertrieben und dramatisch, likt, postet und kommuniziert viel.
  • Verfügt über ein großes persönliches Netzwerk, das er ständig vergrößern will.
  • Gibt sich umgänglich, sehr freundlich und entgegenkommend, zeigt sich emotional beteiligt.
  • Signalisiert Interesse und Begeisterung, selbst wenn er nicht vorhat, die Beziehung zu vertiefen.
  • Geht rasch vorwärts, springt von Thema zu Thema.
  • Vergisst die Zeit.
  • Hat eine sehr optimistische Haltung.
  • Struktur ist nicht seine Stärke!
  • Probiert sich gern in verschiedenen Rollen und Situationen aus.
  • Steht auf Fotos, auf denen Ihr Gesicht gut zu erkennen ist und die Sie in Aktion zeigen.
  • Notieren Sie unter “Interessen” die Themengebiete, die Sie beruflich und vor allem auch hobbymäßig begeistern.
  • Liebt Zitate und Mottos – nutzen Sie auf jeden Fall diese Chance.

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Der stetige Typ (erdgrün)

Ist sehr verständnisvoll, mitfühlend, geduldig und gilt als beständig und zuverlässig. Er ist um das Wohl seiner Mitmenschen besorgt, mit denen er eine spannungsfreie, vertrauensvolle, kooperative und harmonische Beziehung aufbauen möchte. Er liebt eine Sicherheit bietende Umgebung, in der er sich auskennt.

Was ihm wichtig ist:

  • Ihr Profil liest er vollständig und achtet auf soziale Komponenten.
  • Möchte interessante Menschen kennenlernen, die hilfreich oder wertvoll sein könnten.
  • Wählen Sie ein Foto, auf dem Ihr Gesicht gut zu erkennen ist und das sympathisch wirkt.
  • Vertrauen in Sie ist existenziell.
  • Mag keine Konflikte, vermeidet strittige Themen.
  • Akzeptiert andere, ist respektvoll und freundlich.
  • Bezieht sich auf Kollegen, Freunde und Bekannte sowie deren Meinungen.
  • Ist zurückhaltend, aber informell und bevorzugt es, sich gegenseitig beim Vornamen zu nennen.
  • Was Sie unter „Interesse“ angeben, sollte begründet und ehrlich sein.
  • Zeigen Sie bei Ihrem virtuellen Profil auch den Menschen, der dahintersteckt.
  • Mag Referenzen und orientiert sich gern an der Mehrheit.

Der gewissenhafte Typ (eisblau)

Er geht besonnen und analytisch vor. Er ist kritisch (gegen andere und sich selbst), hinterfragt Informationen und will alles ganz genau wissen. Er überlegt sich eine Sache lieber ein Mal zu viel als ein Mal zu wenig. Nur nicht unüberlegt handeln, alle Details beachten und bloß keine Fehler machen (100 Prozent richtig), ist sein Motto.

Was ihm wichtig ist:

  • Schätzt straffe Organisation, Struktur und Ordnung.
  • Orientiert sich an Zahlen, Daten und Fakten.
  • Möchte die Technik und die Hintergründe verstehen.
  • Wissensvermittlung und Informationsweitergabe haben eine hohe Priorität.
  • Zeigen Sie im Bereich Berufserfahrung die einzelnen Stationen Ihres Berufslebens auf und beschreiben Sie auch die Tätigkeiten jedes einzelnen Abschnitts möglichst genau.
  • Verzichten Sie auf Plattitüden. Schreiben Sie besser „fernöstliche Kulturen“ oder „Städtereisen“ anstatt nur „Urlaub“.
  • Gibt wenig Privates preis.
  • Wirkt ernst und reserviert.
  • Ist sehr beharrlich und fragt viel nach.
  • Seien Sie genau. „Ich suche Kontakte“ ist viel zu unspezifisch. Kontakte wofür? Zum Tanzengehen? Zum Skifahren?
  • Fragt nach schriftlichem Material und macht sich selbst Notizen.
  • Ist diszipliniert im Umgang mit der Zeit.
  • Füllen Sie Ihr Profil so detailliert wie möglich aus – und aktualisieren Sie es regelmäßig, sobald sich an Ihrer Position oder Funktion etwas ändert.
  • Achtet auf Dateianhänge und studiert diese genau.

Abschließende Tipps

Das Bild Ihrer Person entsteht im Kopf jedes einzelnen Kontakts. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wen Sie warum ansprechen wollen. Das „Wie“ liefert Ihnen dann die Typologie. Worte sind dabei wie Schlüssel, die Ihr Visavis quasi auf- oder zuschließen. So wurde beispielsweise ein Unternehmen für einen blauen Kontakt/Leser im Mai 1851 in der Stadt X gegründet, bei einem gelben Kunden blickt das Unternehmen hingegen auf über 160 Jahre Geschichte zurück, bei einem Roten auf über 160 Jahre Erfolg und bei einem Grünen auf über 160 Jahre Tradition. Ein schriftliches Angebot beginnt für den Roten mit der Zielstellung, für den Gelben mit dem Thema, für den Grünen als Aufgabenstellung und für den Blauen als Problemstellung. Es endet für den Roten mit einem Fazit, bei einem Gelben mit einem Ergebnis, für den Grünen mit einer Empfehlung und für den Blauen als Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen.

Im Bereich des Recruitings helfen Ihnen die typologischen Unterschiede ebenfalls. Wenn Sie einen „Hunter“ suchen, dann spricht das rote Profil an, bei einem „Farmer“ ist es das grüne und blaue Profil.

Welcher Farbtyp im Regelfall Ihr Kunde ist, erfahren Sie in einem persönlichen Gespräch oder im gemeinsamen Beratungsgespräch oder im Seminar. Ich freue mich auf Ihren Kontakt.

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Über den Autor

Guenter vonPritzbuerUwe Günter-v. Pritzbuer ist einer der praxisorientiertesten Vertriebstrainer im deutschsprachigen Europa. Seit über 20 Jahren vermittelt der begeisterte Vertriebsprofi seine praktischen Erfahrungen und hat Verkäufer zu nachhaltigen Top-Erfolgen geführt, Unternehmen strategisch und praxisorientiert bei der Realisierung ihrer Vertriebs-Ziele begleitet.

Er hat sich auf die Kernbereiche Verkauf und Führung im Vertrieb spezialisiert. Empathie und emotionale Kompetenz sind seine Schwerpunkte. Seine Vorträge begeistern durch Lebendigkeit und Expertise. Uwe Günter-v. Pritzbuer versteht es, enormes Praxiswissen in kürzester Zeit mit Dynamik und viel Kurzweiligkeit zu vermitteln, dauerhaft Begeisterung auszulösen und innovative Verkaufsideen so zu präsentieren, dass diese sofort in die Praxis umgesetzt werden können. Der Volljurist kann auf eine lange Vergangenheit in der Finanzdienstleistungsbranche zurückblicken. Über zehn Jahre war er Berater, Führungskraft und Trainer für gehobene Privatkunden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat er Versicherungen, Banken und Fondsgesellschaften beraten und trainiert. Sein Credo: “Aus der Praxis für die Praxis”.

Kontakt

Uwe Günter-von Pritzbuer
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“Bewusst Netzwerken bedeutet für mich menschlich, verbindlich und wertschätzend zu handeln. Meine Erfahrungen aus 20 Jahren Netzwerken gebe ich in Vorträgen, Seminaren und als Berater für Verbände und Unternehmen weiter.”

Über den Autor

Joachim Rumohr erkannte früh das Potenzial von XING und nutzte es systematisch für seine Verkaufstätigkeit. 2006 begann er sein Wissen professionell weiterzugeben und gilt heute mit rund 1.000 Fachartikeln in seinem Blog, dem Bestseller-Buch “XING optimal nutzen” und weiteren Beiträgen in rund 30 Fachbüchern als der XING-Experte Nr. 1.

Sie können ihn als Trainer, Berater und Vortragsredner zum Thema “Bewusster Netzwerken” und XING buchen.
Nehmen Sie einfach hier Kontakt auf.

2 Antworten
  1. Manuela Seubert
    Manuela Seubert says:

    Vielen Dank für diese spannende Erläuterung der Verhaltenstypen und deren Vorlieben. Auch die Konkretisierung in den abschließenden Tipps war hilfreich, um die Ansatzpunkte für künftige Gespräche zu verstehen.

    Besten Gruß aus Limburg
    Manuela Seubert

    Antworten

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