one-way-street-582635_1280

Social Media, schön und gut – doch wo bleibt der Mensch?

Freundschaftsanfragen, Kontaktanfragen, Linkempfehlungen, Statusmeldungen, Gruppeneinladungen, Bild-Uploads, Videos usw. usf. – Worauf reagieren SIE? Und von wem muss es kommen, damit SIE reagieren? Ich beleuchte in diesem Artikel einen aus meiner Sicht grundsätzlichen Fehler bei der Nutzung von Social Media.

Worum es in diesem Artikel geht

Es gibt viele verschiedene Ansätze zur Nutzung von Social Media. Mir geht es in diesem Artikel und bei meinen Aussagen um all die Geschäfte und Kundenbeziehungen, die zwischen Menschen entstehen. Wo also immer zwei Menschen verhandeln, um einen Kauf abzuwickeln oder einen Vertrag zu schließen. Es geht ausdrücklich nicht um Marken und Produkte. (Ganz unten finden Sie meine Aussagen auch in einem Video.)

Das kennen wir alle!

Freundschaftsanfragen auf Facebook von Menschen, die man gar nicht kennt. Bestätigt man, kommt oft direkt danach die “Einladung” zur Markierung mit “Gefällt mir” von irgendeiner Fan-Page. Oder noch schlimmer: Man wird direkt irgendeiner Gruppe hinzugefügt. Man kennt weder die Person noch das “Produkt” und soll doch ein “Gefällt mir” setzen oder sich mit der Gruppe auseinandersetzen.

Auf XING und LinkedIn sind es die Kontaktanfragen ohne Text. Bestätigt man diese ebenfalls ohne Text, war es das dann in der Regel auch. Beide haben einen neuen “Kontakt”, und dann?

Hinweise werden ignoriert oder gar nicht erst gelesen

Da können Sie tausend Mal posten, dass Sie nicht auf “Gefällt mir”-Anfragen von Unbekannten reagieren oder das automatische Hinzufügen in Facebook-Gruppen ablehnen. Da können Sie auch auf dem XING-Profil schreiben, dass Sie Kontaktanfragen ohne Text nicht beantworten. Vollkommen egal, es wird munter weiter eingeladen, hinzugefügt und werden Kontaktanfragen geschrieben. Die ganzen gut gemeinten Hinweise werden nämlich überhaupt nicht gelesen.

Es wird einfach nur munter drauflosgeklickt. Da wird schon einer zurückklicken und da werden auch schon ein paar auf Einladungen reagieren. Und von denen wird sicher auch irgendwann mal einer was kaufen. Doch, sicher! Social Media funktioniert!

Erfolgreich ist, wer viele Freunde oder Kontakte hat?

Das Gesetz der großen Zahl? Immer mal wieder höre ich solche Aussagen und auf viele Produkte mag das ja auch zutreffen. Aber es wird als allgemeingültig für alles eingestuft und gefühlt jeder ist auf der Jagd nach möglichst vielen Kontakten.

Wenn man dann viele Kontakte hat, reichen nach Aussage der Experten sieben zielgerichtete Kontaktaufnahmen in Form von Newslettern, Statusmeldungen oder Fachartikeln und der Kunde kauft. Das nennt man dann Sales-Funnel oder Verkaufstrichter. Oben viel reinwerfen und unten purzeln dann die neuen Kunden raus.

Als einer dieser Kontakte kommt man sich dann tatsächlich vor, wie durch einen Trichter geworfen. Das ist aber egal, denn wer nicht unten ankommt, ist halt nicht der richtige Kunde. Man “passt” dann nicht ins System und fällt irgendwo vorher aus dem Trichter.

Wo bleibt bei alledem der Mensch?

Kaum einer beschäftigt sich VOR der Kontaktaufnahme mit der anderen Person. Und trotzdem wird erwartet, dass sich die so “Ankontaktierten” im Gegenzug mit dem Angebot oder dem Produkt beschäftigen. Der hinter einem Profil auf Facebook, XING oder LinkedIn stehende Mensch scheint zweitrangig zu sein. Er wird nur als weiterer möglicher Kontakt oder, besser, Lead auf dem Weg zum Kunden gesehen.

Erst geben, dann bekommen!

Und was passiert, wenn Sie eine Anfrage erhalten und feststellen, dass sich der andere mit Ihnen auseinandergesetzt hat? Wenn eine Anfrage mit einer wertschätzenden Nachricht verbunden ist oder Sie gar bei der ersten Kontaktaufnahme zunächst einen Tipp oder eine Empfehlung bekommen, die nichts mit dem Angebot/Produkt des Anfragenden zu tun hat, sondern mit Ihnen? Mit Ihrer Person bzw. den Inhalten Ihres Profils oder Ihrer Timeline: ein passender Kommentar, eine Anerkennung oder ein für Sie nutzbringender Hinweis?

Um wie viel offener sind Sie dann gegenüber der Anfrage? Wie sehr steigert das Ihre Bereitschaft, sich mit der Anfrage und der Person hinter der Anfrage zu beschäftigen? Sich eventuell die Produkt-Website oder Fan-Page auf Facebook doch etwas genauer anzusehen und diese auch mit einem “Gefällt mir” zu markieren?

Persönliches zählt – Geschäftliches ergibt sich!

Dieser “Slogan” begleitet schon lange die XING-Events der offiziellen XING-Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch für mich ist es viel mehr als nur ein Slogan. Für mich liegt in dieser Aussage der Schlüssel zum Erfolg!

Erst wenn Sie sich gegenseitig berühren, können ein nachhaltiges Geschäft und entsprechende Beziehungen entstehen. Und das meine ich sowohl mental als auch physisch. Ein Produkt bzw. eine Dienstleistung muss Ihnen gefallen und Sie müssen davon überzeugt sein, dann empfehlen Sie es bzw. diese weiter. Doch wie steht es mit einem Menschen? Wann empfehlen Sie eine einzelne Person?

Am ehesten ist dies aus meiner Sicht der Fall, nachdem Sie diese persönlich getroffen und berührt haben. Sich also einmal die Hand gegeben, den anderen wortwörtlich gespürt und mit allen Ebenen der Kommunikation aufgenommen haben. Nur auf schriftlichem Wege ist eine solche “Berührung” nicht möglich. Richtige, echte menschliche Zusammenarbeit entsteht erst nach einem menschlichen, persönlichen Kontakt. Das wird ein Handy, eine Tastatur, eine E-Mail, ein Newsletter oder eine Statusmeldung nie ersetzen können.

Ich bekomme beispielsweise ab und an das Feedback, dass man mich als hart und unnahbar eingestuft hat, sich diese Einschätzung nach dem persönlichen Kennenlernen jedoch komplett geändert hat: “Der ist ja total menschlich und persönlich!”

Haben Sie Mut und berühren Sie Ihre neuen Kontakte!

Nehmen Sie sich Zeit für neue Kontakte. Fügen Sie lieber zwei oder drei Kontakte nachhaltig hinzu als 20 oder 30, denen Sie nur einen schnellen und belanglosen Klick gönnen. Geben Sie anderen die Aufmerksamkeit, die Sie sich für sich selbst auch wünschen. Und lassen Sie am Anfang alles weg, was Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung betrifft. Der erste Schritt bei einer Online-Kontaktaufnahme sollte NIE Akquisition sein. Oder finden Sie es gut, wenn bei Ihnen jemand “mit der Tür ins Haus fällt”?

Es gibt so viele Möglichkeiten bei der Kontaktaufnahme

Nehmen Sie auf XING oder LinkedIn beispielsweise Bezug auf das Profil der Person, zu der Sie Kontakt aufnehmen wollen. Geben Sie Tipps, Empfehlungen oder schenken Sie Anerkennung und Aufmerksamkeit. In der Regel sind die Felder “Ich biete”, “Ich suche” und/oder “Interessen” ja ausgefüllt. Je nützlicher oder auch “berührender” Ihr Hinweis für die angeschriebene Person ist, desto eher erhalten Sie eine Reaktion, auf der die weitere Kommunikation aufbauen kann.

Auf Facebook könnten Sie nach Bestätigung Ihrer Freundschaftsanfrage wie auf einem Networking-Event vorgehen: Fragen Sie die andere Person, wofür sie steht, was ihre Überzeugungen sind und/oder (wenn es in der Timeline nicht deutlich wird) was die Person beruflich anbietet oder arbeitet. Lernen Sie sich erst einmal kennen, “berühren” Sie sich! So entsteht beim Gegenüber Interesse auch an Ihnen und die Frage nach der Markierung Ihrer Fan-Page müssen Sie eventuell gar nicht mehr stellen, weil Ihr neuer Kontakt diese ganz von allein und aus Interesse an Ihnen oder Ihrem Produkt bereits selbst mit “Gefällt mir” markiert hat.

Und los! Sie sind an der Reihe!

Nehmen Sie sich für die nächsten zehn neuen Kontakte bitte gezielt eine persönlichere Kontaktaufnahme vor und schauen Sie einmal selbst, was passiert. Und bei den nächsten zehn Kontaktaufnahmen, die sich an Ihre Person richten, machen Sie es einfach genauso und reagieren Sie mit Interesse an der anfragenden Person. Ich bin davon überzeugt, dass Sie es nach einem solchen Test weiterhin so machen werden. Sie werden feststellen, dass plötzlich “echte” Kontakte entstehen und Sie sich mit dieser Vorgehensweise anfreunden werden.

Sie haben bereits entsprechende Erfahrungen?

Dann freue ich mich, wenn Sie diese mit den Lesern dieses Artikels und mir teilen und einen Kommentar schreiben. Kommen Sie auch gern mit Ihrem Erfahrungsbericht wieder hier vorbei, wenn Sie meine obige Empfehlung umgesetzt haben. Ich bin gespannt und freue mich auf Ihre Geschichten.

Und hier das Ganze noch einmal (mit anderen Worten) als Video


Artikel auf Rechtschreibung, Grammatik und Stil geprüft von Annette Winkel
https://www.xing.com/profile/Annette_Winkel
www.lektorat-winkel.de

“Bewusst Netzwerken bedeutet für mich menschlich, verbindlich und wertschätzend zu handeln. Meine Erfahrungen aus 20 Jahren Netzwerken gebe ich in Vorträgen, Seminaren und als Berater für Verbände und Unternehmen weiter.”

Über den Autor

Joachim Rumohr erkannte früh das Potenzial von XING und nutzte es systematisch für seine Verkaufstätigkeit. 2006 begann er sein Wissen professionell weiterzugeben und gilt heute mit rund 1.000 Fachartikeln in seinem Blog, dem Bestseller-Buch “XING optimal nutzen” und weiteren Beiträgen in rund 30 Fachbüchern als der XING-Experte Nr. 1.

Sie können ihn als Trainer, Berater und Vortragsredner zum Thema “Bewusster Netzwerken” und XING buchen.
Nehmen Sie einfach hier Kontakt auf.

2 Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] oben zitierten Joachim Rumohr habe ich mir mal etwas anderes überlegt. In seinem Artikel „Social Media, schön und gut – doch wo bleibt der Mensch?„, in dem er die vorgenannten Erkenntnisse zum Teil bestätigt und das Persönliche im […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)